19 Jugendliche erkunden die russische Kultur

Warme Gastfreundschaft als menschliches Zeichen gegen erkaltete politische Beziehungen, unterstützt von der Stiftung „Deutsch-Russischer Jugendaustausch“.

Diesen Oktober fuhren einige Schüler und Schülerinnen der Klasse 11a aus der Rudolf Steiner Schule Bochum nach Gatschina, eine kleine Stadt, südwestlich von Sankt Petersburg.
Schon seit über 30 Jahren organisiert die Rudolf Steiner Schule mit viel Aufwand für interessierte Schüler und Schülerinnen verschiedene Schüleraustauschprojekte nach Russland und in die Ukraine.
Dieses Jahr ging es mal wieder nach Russland, wo wir zwei Wochen in den Familien unserer Austauschschüler aus dem Gymnasium Nummer 9 verbrachten. Diese hatten uns im Frühling besucht. Begleitet wurden wir von unseren Lehrerinnen Nonna Matskevich, Irena Stechly-Willitek und Angela Landowski.
Die 14 Tage im herbstlich kalten Russland vergingen für uns wie im Flug. Jeden Tag wurden von dem dortigen Gymnasium organisierte Ausflüge nach Sankt Petersburg und die umliegenden Dörfer unternommen. Der Schwerpunkt des Austausches lag dabei in diesem Jahr auf dem Strukturwandel im Ruhrgebiet vom Kohleabbau zur Hightech-Industrie und dem Strukturwandel in Gatschina und Umgebung. So ging es einmal nach Kobrino, ein kleines Nachbardorf, wo uns über das Bauernleben im 18. Und 19. Jahrhundert erzählt wurde. Des Weiteren bekamen wir Besuch von ehemaligen Kindergefangenen, die Anfang des zweiten Weltkrieges nach Deutschland ins Arbeitslager verschleppt wurden. Eine von ihnen erzählte uns, dass sie im Kindesalter innerhalb von vier Jahren 23 Mal Blut an verletzte Soldaten abgeben musste. Es fiel beiden schwer uns von ihrer traumatischen Kindheit zu erzählen, denn noch heute, 73 Jahre später leiden sie unter den schrecklichen und unmenschlichen Erinnerungen aus jungen Jahren. Am Ende gaben sie uns mit auf den Weg, den Weltfrieden zu wahren und luden uns doppelt und dreifach zu sich ein.
Mich und meine Mitschüler versetze dieser Bericht in tiefe Betroffenheit. Während hier die Zeit des Nationalsozialismus höchstens im Geschichtsunterricht eine Rolle spielt, ist das Thema in Russland noch von großer Bedeutung. 900 Tage ging die Belagerung Leningrads, heute Sankt Petersburg. In Gatschina war damals die Front, an der die deutsche Wehrmacht wütete und diese Zeit verbreitete so großen Schrecken in der damaligen Sowjetunion, dass er den Menschen noch heute in den Knochen sitzt.
Dank der Unterstützung von der Stiftung „Deutsch-Russischer Jugendaustausch“ konnten wir eine unvergessliche Zeit mit unseren Austauschschülern verbringen, in deren Familien wir sehr warm und mit der in Russland so bewundernswerten Gastfreundschaft aufgenommen wurden und lernten nicht nur das Leben dort kennen, sondern konnten sogar unseren Wortschatz erweitern.